Das neue Bundesgesetz über die steuerliche Behandlung der berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten (WeBiG) ist auf den 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Dem Gesetz folgten mit Inkraftsetzung per 1. Januar 2017 die entsprechende Verordnung und am 30. November 2017 das Kreisschreiben Nr. 42. Dieses regelt die Ausführung des Gesetzes und klärt Einzelfragen, insbesondere aus Sicht des Steuerkommissärs und weniger aus Sicht des Arbeitgebers.

Angepasstes Bundesgesetz

Durch die Änderungen in der Besteuerung von berufsorientierter Aus- und Weiterbildung mussten diverse Artikel des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer angepasst werden. Neue Artikel kamen hinzu (Art. 17 Abs. 1bis; Art. 27 Abs. 2 Bst. e; Art. 33 Abs. 1 Bst. j; Art. 59 Abs. 2 Bst. e), bestehende Artikel wurden abgeändert (Art. 26 Abs. 1 Bst. c) oder aufgehoben (Art. 26 Abs. 1 Bst. d; Art. 34 Bst. b). Alle Änderungen bringen einen Paradigmenwechsel zum Ausdruck. Demnach gelten Weiterbildungskosten nicht länger als Berufskosten, sondern erhalten eine eigenständige Abzugsfähigkeit.

Paradigmenwechsel: Keine Berufskosten mehr

Neu sind die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten unabhängig von einer beruflichen Tätigkeit und einem Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit abzugsfähig. Das kann zur Folge haben, dass zum Beispiel die Vollzeitausbildung eines Ehegatten das steuerbare Einkommen des Ehepartners mindert. Weiterhin bleiben nur die eigenen Aus- und Weiterbildungskosten abzugsfähig. Bezahlt also ein Konkubinatspartner die Ausbildung seines Partners, so kann er diese Kosten nicht geltend machen.

Berufsorientiert oder nicht?

Aus- und Weiterbildung ist nur dann abzugsfähig, wenn unter anderem die Schulungsmassnahme berufsorientiert ist. Ziffer 4 des Kreisschreibens 42 definiert berufsorientierte Aus- und Weiterbildung wie folgt:
«Berufsorientierte Aus- und Weiterbildung beinhaltet, durch organisiertes Lernen bestehende berufliche Qualifikationen zu erneuern, zu vertiefen und zu erweitern oder neue berufliche Qualifikationen zu erwerben, um damit die berufliche Flexibilität zu unterstützen. Dabei ist es unerheblich, ob die berufsorientierte Aus- und Weiterbildung zu einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit führt. Es spielt auch keine Rolle, ob die berufsorientierte Aus- oder Weiterbildung im direkten Zusammenhang mit der Erzielung des gegenwärtigen Erwerbseinkommens steht (…).»
Aus dieser allgemeinen Definition ergeben sich Abgrenzungsfragen zu individuellen Schulungen wie Berufs-, Studien-, Karriereberatung und Coaching oder zu Anlässen im Bereich Unterhaltung, Erlebnis, Geselligkeit, Sport und Hobby (wie Teambildungsevents, Erste-Hilfe- oder Fahrkurse). Diese gelten auch dann als nicht berufsorientiert, wenn sie ein untergeordnetes Bildungselement enthalten. In solchen Fällen sollten Sie prüfen, ob diese Kosten nicht möglicherweise unter einem anderen Titel abzugsfähig sind, etwa als Berufskosten (Coaching, Berufsberatung, Seminare, wenn ein Bezug zum Erwerbseinkommen besteht) oder als Gesundheitskosten (Sportkurse, die angeordnet oder dringend empfohlen werden).
Das Kreisschreiben erläutert nicht, wie der Arbeitgeber nicht berufsorientierte Aus- und Weiterbildungskosten in der Lohnbuchhaltung behandeln soll – obwohl diese geschäftsmässig oft begründet und als Aufwand akzeptiert sind.

Was ist abzugsfähig?

Grundsätzlich wird bei der Geltendmachung von Steuerabzügen für Aus- und Weiterbildung in erster Linie an die Kurskosten und Prüfungsgebühren gedacht. Diese sind selbstverständlich abzugsfähig. Zudem können weitere Kostenarten in der Steuererklärung geltend gemacht werden, sofern sie entstanden sind: Kursmaterialien, Reisekosten (keine Begrenzung wie bei FABI), Verpflegung, Unterkunft (Ansätze für Wochenaufenthalter) und Werkzeuge (z.B. Computer, Privatanteil!).
Bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Kosten berufsorientierter Aus- und Weiterbildung sollten Sie diese auch im Hinblick auf den persönlichen Ausbildungsstand beurteilen. Zum Beispiel können Personen, die unter 20 Jahre alt sind und keinen Abschluss auf Sekundarstufe II haben, keine Aus- und Weiterbildungskosten in Abzug bringen.

Rückerstattung an Arbeitgeber

Muss der Mitarbeiter die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten, die von seinem Arbeitgeber zunächst (ganz oder teilweise) übernommen wurden, diesem zurückbezahlen (z.B. aufgrund einer Rückzahlungsklausel in der Ausbildungsvereinbarung bei vorzeitigem Stellenwechsel), kann er dafür im Zeitpunkt der Rückzahlung den Abzug gemäss Artikel 33 Absatz 1 Buchstabe j DBG geltend machen. Hat der Arbeitgeber diese Kosten über mehrere Kalenderjahre übernommen, kann der Mitarbeiter im Jahr der Rückzahlung einen Abzug von höchstens jährlich CHF 12’000 in jenem Kalenderjahr geltend machen, in dem die Kosten angefallen sind. Übernimmt der neue Arbeitgeber die Aus- und Weiterbildungskosten, muss zwischen einer abgeschlossenen und einer laufenden Ausbildung unterschieden werden.

Verteilung der Beweislast

Wie üblich muss der Steuerpflichtige, der Abzüge geltend machen will, die Rechtmässigkeit des Abzuges nachweisen. So muss er den Umfang der Kosten belegen und beweisen, dass er diese auch effektiv selber getragen hat. Falls der Lehrgang keinen Zusammenhang mit dem ausgeübten Beruf hat, muss der Steuerpflichtige nachweisen, dass er den Lehrgang zu seiner «beruflichen Qualifikation» besucht hat.

Sozialversicherungen unverändert

Die steuerlichen Änderungen haben keine sozialversicherungsrechtlichen Auswirkungen. Hier bleibt alles gleich. Die Aus- und Weiterbildungskosten müssen mit der beruflichen Tätigkeit des Arbeitnehmers eng verbunden sein, wenn der Arbeitgeber sie trägt. Zum Beispiel könnten vom Arbeitgeber getragene Umschulungskosten zu einer Sozialversicherungspflicht führen, nicht aber zu einer steuerbefreiten Behandlung.

Unter dem Strich

Als Arbeitgeber sind Sie gut beraten, sich mit diesen Details auseinanderzusetzen und Ihre Systeme und Prozesse entsprechend anzupassen. An dieser Stelle weisen wir auf die Veranstaltung «Wissen, was in der Aus- und Weiterbildung läuft» der PwC Academy vom 6. März 2018 hin.

2. Februar 2018 ▪ Kategorie: Personalwesen, Steuern

Share

Dominic Müller

Senior Manager und Spezialist für Payroll & Employment Solutions

Dominic Müller stiess 2016 zu PwC. Der gelernte Jurist leitet diverse Payroll-Mandate und hat sich auf rechtliche, sozialversicherungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen von Arbeitsverhältnissen spezialisiert. Vor seiner Tätigkeit bei PwC war er in leitender Funktion im HR-Consulting und Payroll-Bereich tätig. Im Weiteren doziert Dominic Müller an einer höheren Fachschule über das Thema Personalmanagement.

Hinterlassen Sie einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.